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8. Patiententag 2019

Die mittlerweile 8. Veranstaltung dieser Reihe zog trotz des schönen Wetters wieder viele Besucher an, die den spannenden Vorträgen aus den Kernbereichen Ernährung, Komplementärmedizin, Psycho-Onkologie und Bewegung angeregt zuhörten. Besondere Erwähnung verdienen die von der Bayerischen Krebsgesellschaft engagierten Dolmetscherinnen für Gebärdensprache, die während der kompletten Veranstaltung die Vorträge simultan für Gehörlose übersetzten.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Veranstalter Prof. Nüssler (Geschäftsführender Koordinator des Tumorzentrum München) und Herr Besseler (Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft) erläuterte Frau Erickson vom Comprehensive Cancer Center der LMU (Koordinatorin des Ernährungsteams, Klinikum Großhadern) sehr einleuchtend, wie die Widersprüche zwischen den Ernährungsempfehlungen der Fachgesellschaften und den Medien zustande kommen. Das liegt oft an den Mengen der in den Lebensmitteln enthaltenen Wirkstoffe: Beispielsweise müsste täglich ein ganzer Einkaufswagen an Brokkoli verzehrt werden, um eine Anti-Krebswirkung wie sie in Zeitungsberichten oder vergleichbaren Medien propagiert wird, zu erreichen.

Zwar propagieren die Fachgesellschaften für eine pflanzenbasierte Ernährungsweise; diese sollte aber möglichst abwechslungsreich und vor allem bedarfsdeckend sein. Unter normalen Umständen ist eine Gewichtsabnahme unter einer Krebstherapie zu vermeiden, da dadurch auch wichtige Muskelmasse sowie die Abwehrkräfte und die körperliche Leistungsfähigkeit gemindert werden. Im schlimmsten Fall sind Betroffene nach einer Gewichtsabnahme sogar zu schwach, um Therapien fortzusetzen oder nötige Operationen durchführen zu lassen.

Dr. Wölfel (Chefarzt, Krankenhaus für Naturheilweisen, München) und Herr Doerfler (Beratungsstelle für Komplementärmedizin und Naturheilkunde, Tumorzentrum München) referierten danach über stationäre und ambulante Behandlungsmethoden aus der Naturheilkunde. Dazu griffen sie zwei sehr häufige Nebenwirkungen einer Tumortherapie auf: das Fatigue-Syndrom und die Polyneuropathie. Anhand dieser Beispiele erläuterten sie verschiedene naturheilkundliche Behandlungsformen im stationären und ambulanten Bereich wie Akupunktur bzw. Öl-Zucker-Peelings.

Die anschließende Pause nutzten die Besucher des Patiententages für einen informativen Besuch der Stände im Foyer. Selbstverständlich hatte auch das Tumorzentrum München mit seinen drei Beratungsstellen für Psycho-Onkologie, Ernährung und Komplementärmedizin einen Informationsstand. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt, so dass alle gestärkt in die zweite Vortragsrunde starten konnten.

Frau Perzlmaier von der Bayerischen Krebsgesellschaft (BKG) führte unter Moderation von Herrn Buchberger (Vizepräsident der Bayerischen Krebsgesellschaft) ein Gespräch mit Frau Schumacher (Krebsbetroffene, Teilnehmerin der Reha-Sportgruppe der Bayerischen Krebsgesellschaft) über mögliche Schwierigkeiten bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz, Sozialleistungen und Beratungsangebote zu diesen Themen. Der Abschlussvortrag von Prof. Schoenberg (Bewegungsexperte, Praxis „Viszera“, München) über das „Medikament Bewegungstherapie“ stand ganz unter dem Motto: „Versuche nicht deinen inneren Schweinehund zu besiegen, sondern freunde dich mit ihm an, führe ihn so oft es eben geht Gassi und belohne dich anschließend dafür“. Jede Art von Bewegung, ob Rasenmähen, Klavierspielen oder Abspülen trägt zur Förderung von Gesundheit und Fitness bei. Eine Überforderung unter innerem oder äußerem Druck hingegen ist nicht zielführend; viel wichtiger ist die Freude an der Bewegung.

Wir hoffen, Ihnen ein paar Anregungen gegeben zu haben und freuen uns bereits auf den 9. Patiententag im Frühjahr 2020. Wir bedanken uns für Ihr Interesse, die rege Beteiligung und die Unterstützung unserer Veranstaltung

Prof. Dr. med. Günter Schlimok

Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V.

Highlights vom Patiententag 2019

V.Nüssler
V.Nüssler
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