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Dickdarmkrebs und Ernährung

Einführung

Was kann jeder Einzelne von uns tun, um sich vor einer Krebs-Erkrankung zu schützen?

Sehr viel - davon ist der World Cancer Research Fund (WCRF) überzeugt: Etwa 30 bis 40 Prozent und somit rund ein Drittel aller Krebserkrankungen wären nach dem aktuellen Stand der Forschung durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung vermeidbar. Aus diesem Grund veröffentlicht der WCRF acht Empfehlungen, die die Entstehung von Krebserkrankungen in der Bevölkerung verhindern sollen [1, 2].

Diese Empfehlungen beinhalten

1. das Körpergewicht innerhalb der BMI-Norm zu halten (für Erwachsene: Body-Mass-Index von 19 bis 25).

2. täglich mindestens 30 Minuten moderat körperlich aktiv zu sein.

3. den Verzehr besonders energiedichter Lebensmittel (u.a. zuckerhaltige Getränke und „Fast Food“) auf ein Minimum zu reduzieren.

4. überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu verzehren und im täglichen Speiseplan stark verarbeitete, stärkehaltige Lebensmittel durch Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und wechselnde Gemüse und Obstsorten zu ersetzen (optimal wären 3 bis 4 Portionen Gemüse und 1 bis 2 Portionen Obst am Tag).

5. den Fleischkonsum auf maximal 500g pro Woche zu reduzieren, den Verzehr von rotem Fleisch zu begrenzen und den von verarbeitetem Fleisch (geräuchert, gepökelt, gesalzen) zu vermeiden.

6. den Alkoholkonsum auf maximal zwei Gläser (Männer) bzw. ein Glas (Frauen) pro Tag zu beschränken.

7. den Salzkonsum einzuschränken und verschimmeltes Getreide und Hülsenfrüchte zu meiden.

8. den Bedarf der täglichen Nährstoffe durch „natürliche“ Lebensmittel zu decken, ohne die Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln.


Eigentlich ganz einfache und wohl bekannte Empfehlungen, die sich mit etwas guten Willen problemlos in das tägliche Leben integrieren lassen. Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie auch in unserem Ernährungsblog in dem Beitrag von Professor Nüssler „Sich gesund und genussvoll aber zugleich auch ethisch richtig ernähren – geht das denn überhaupt?“ und auf dem TZM-Infoportal der Arbeitsgruppe Ernährung und Krebs.

Speziell bei Dickdarmkrebs scheinen diese Empfehlungen sogar noch wichtiger zu sein als bei der Krebserkrankungen allgemein. Hier gibt es Hinweise darauf, dass etwa 50 Prozent aller Fälle von Dickdarmkrebs in den USA durch abwechslungsreiche Ernährung, aktiven Lebensstil und gesundes Körpergewicht vermeidbar gewesen wären [1]. Dabei gilt Dickdarmkrebs als eine der häufigsten Krebserkrankungen hierzulande. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist etwa jeder Siebte von dieser Krebserkrankung betroffen. Somit ist Darmkrebs in Deutschland die dritthäufigste Krebserkrankung nach Brust- und Prostatakrebs [3]. Im Folgenden wollen wir uns deshalb auf diese Krebsart fokussieren und über die Möglichkeiten, durch Ernährung vorzubeugen, informieren.

Ernährung bei der Prävention von Dickdarmkrebs

Der Dickdarmkrebs (oder auch Kolonkarzinom) gehört zu den Tumorarten, die besonders gut durch eine Veränderung des Lebensstils und der Ernährung beeinflussbar sind. Dies ist das Ergebnis der meisten Studien zu diesem Thema.

In einer groß angelegten Untersuchung aus Nordamerika, die sich über mehrere Jahre erstreckte, stellte sich beispielsweise heraus, dass vegetarisch lebende Personen im Vergleich zur Normalbevölkerung ein um 22 Prozent verringertes Risiko besaßen, an einem Kolonkarzinom zu erkranken. Noch deutlicher zeigte sich dieser Trend bei denjenigen Vegetariern, die zusätzlich noch Fisch konsumierten (Fisch-Vegetarier). Ihr Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, war um 43 Prozent niedriger [4]. Es bleibt jedoch zu bedenken, ob Vegetarier nicht insgesamt zu einem gesünderen Lebensstil tendieren und dies den Einfluss der Ernährung etwas abschwächen könnte.

Neben dem Vegetarismus gibt es noch weitere Ernährungsformen, die für ihre gesundheitsförderlichen Eigenschaften bekannt sind, auch wenn hier die Ergebnisse je nach Art des Studiendesigns stark variieren. So schwankt die präventive Wirkung der mediterranen Ernährung je nach Studie zwischen 8 und 54 Prozent [5]. Hier bedarf es noch weiterer Untersuchungen.

Was passiert, wenn ich mich dazu entscheide, all die oben genannten Empfehlungen des WCRF von heute an zu beachten? Diese Frage beantwortete eine große europäische Studie aus dem Jahr 2014: Männer und Frauen zwischen 12 und 70 Jahren wurden dabei unterstützt, ihren Lebensstil und ihre Ernährungsgewohnheiten derart anzupassen, dass ihr BMI sank, ihre Aktivität stieg, ihr Alkoholkonsum reduziert wurde und sie sich gesünder ernährten. Das Ergebnis: innerhalb von 12 Jahren war das Erkrankungsrisiko bei den Personen, die alle vier Bereiche verbessert hatten, um 37 Prozent gesunken. Auch bei Personen, die nur drei oder weniger Bereiche verbesserten, sank das Risiko, jedoch in geringerem Maß [6].

Wie bei allen Tumoren ist die Entstehung von Dickdarmkrebs abhängig von vielen Faktoren. Neben den hier beschriebenen Einflüssen gibt es auch einige, die wir nicht oder nur schwer beeinflussen können. Als Beispiel wären eine weitere Erkrankung, spezielle Medikamente, Radioaktivität, industrielle Chemikalien oder schlicht erbliche Veranlagung zu nennen. Dennoch könnte hier bereits ein erstes Fazit lauten, dass selbst kleine Veränderungen des Lebensstils die Gesundheit positiv prägen und wir dadurch dazu beitragen können, unser Erkrankungsrisiko zu senken.

Neben den allgemeinen Empfehlungen gibt es einige Aspekte, die das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, besonders beeinflussen. Dazu ein paar Erläuterungen: 

Ballaststoffe – ein starker Freund bei der Kolon-Karzinom-Prävention

Ballaststoffe nehmen wir über pflanzliche Lebensmittel mit der Nahrung auf. Besonders reich an Ballaststoffen sind beispielsweise die Schalen von Getreidekörnern, weshalb Vollkornprodukte als gesünder angesehen werden als Produkte aus Weißmehl. Auch Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte, Pilze und Nüsse liefern relevante Mengen an diesen nützlichen Substanzen. Dass sich eine Ballaststoff-Zufuhr von mindestens 30 g pro Tag günstig auf unsere Gesundheit auswirkt, haben wir bereits in unserem Blogbeitrag „Ballaststoffe machen das Leben leichter“ dargestellt.

Auch die Entstehung von Dickdarmkrebs kann hierdurch beeinflusst werden. Eine Vielzahl von Studien konnte belegen, dass ein erhöhter Konsum ballaststoffreicher Lebensmittel das Risiko senken kann, an einem Dickdarm-Karzinom zu erkranken. Bei Männern zeigte sich dieser Effekt deutlicher als bei Frauen. Interessant hierbei: Es kommt wahrscheinlich auch auf die Art der Ballaststoffe an. Besonders gut scheinen Ballaststoffe aus Getreide und Hülsenfrüchten zu wirken [7, 8, 9]. Über die möglichen Hintergründe der positiven Wirkung von Ballaststoffen insgesamt existieren unter anderem die folgenden Erklärungsansätze.

  • Zunächst wird das Stuhlvolumen durch den Verzehr von Ballaststoffen erhöht und somit die Passagezeit durch den Darm verringert. Das führt dazu, dass schädliche Substanzen aus dem Stuhl weniger Zeit haben, auf die Darmschleimhaut einzuwirken.

  • Zudem dienen Ballaststoffe teilweise als Nahrung für unsere Darmbakterien. Diese bilden daraus Fermentationsprodukte (kurzkettige Fettsäuren) die uns in zweierlei Hinsicht Gutes tun. Sie sorgen zum einen für ein saures Darm-Milieu, welches das Wachstum schädlicher Bakterien hemmt und die Resorption wichtiger Mineralstoffe fördert. Darüber hinaus unterstützen die kurzkettigen Fettsäuren die natürliche Regulation der Dickdarmzelle und deren Lebenszyklus [8, 10].

 

Praxistipp: Die höchste Ballaststoffdichte enthalten Vollkornprodukte (z. B. Vollkornbrot), deren Geschmack anfangs manchmal gewöhnungsbedürftig ist. Leichter fällt die Umstellung bei Mehlen mit höheren Typenzahlen wie Typ 1050. Hier schmecken Sie fast keinen Unterschied zum normalen Haushaltsmehl (Typ 405) und steigern trotzdem Ihre Ballaststoffaufnahme. Auch Roggenprodukte bestehen in der Regel aus weniger fein gemahlenem Mehl und sind deshalb ballaststoffreicher als Weizenprodukte.

Rotes Fleisch und Fleischwaren – Wie viel darf sein? Wie viel schadet?

Unter „rotem Fleisch“ versteht man zumeist das Fleisch von (domestizierten) Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Im Rahmen einer gesunden Ernährung ist gegen einen moderaten Konsum von bis zu 500g pro Woche in Bezug auf das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, nichts einzuwenden [1, 8, 11]. Die Empfehlung lautet, anstelle von rotem Fleisch lieber Wild, Geflügel und Fisch zu konsumieren, da das Nährwertprofil dieser Fleischarten als günstiger angesehen wird als das von domestizierten und industriell aufgezogenen Tieren. Der Verzehr von weißem Fleisch (Geflügel) hat laut Krebsinformationsdienst keinen messbaren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko [12].

Bis heute ist noch keine eindeutige Erklärung gefunden worden, warum rotes Fleisch krebserregend sein kann. Eine Theorie befasst sich mit einem Stoff, der als „Häm“ bekannt ist und die Bildung von N-Nitrosoverbindungen im Darm des Menschen anregt. Diese Verbindungen gelten als potentielle Dickdarm-Karzinogene und sind besonders relevant, wenn dem Fleisch zudem Nitrat oder Nitrit zur Verbesserung der Haltbarkeit zugefügt wurde. Aufgrund dieses Häms gilt vor allem das rote Fleisch als krebserregend. Weißes Fleisch besitzt eine sehr viel geringere Häm-Konzentration. Neben der Bildung von N-Nitrosoverbindungen kann auch zu starkes Erhitzen (z.B. durch scharfes Anbraten) das karzinogene Potential im roten Fleisch steigern. Hierbei kann es zur Bildung von heterozyklischen aromatischen Aminen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen kommen; zwei Verbindungen, die bei Menschen mit genetischer Veranlagung zu Kolon-Krebs führen können. Beim Kochen treten diese Verbindungen nicht auf [8, 10]. Eine schonende und abwechslungsreiche Zubereitung der Lebensmittel ist deshalb sehr wichtig.

Klarer sieht die Datenlage bei verarbeitetem Fleisch aus. Fleisch also, das „durch Räuchern, Beizen oder Salzen oder durch die Zugabe von chemischen Konservierungsmitteln haltbar gemacht wurde“ (vor allem Wurst und Schinken) [2]. Diese Nahrungsmittel stufte die WHO 2015 als „krebserregend für den Menschen“ ein [13]. Der Konsum von durchgebratenem Schinken oder Bratwurst ist in diesem Zusammenhang besonders kritisch zu sehen, da er mit einer signifikanten Erhöhung des Risikos, an einem Dickdarm-Karzinom zu erkranken, einhergeht [14].

Trotz allem soll nicht verschwiegen werden, dass Fleisch ein sehr nährstoffreiches und hochwertiges Lebensmittel darstellt und die meisten Studien erst ab einer gewissen Menge einen risikosteigernden Effekt nachweisen konnten. Gegen den wöchentlichen Verzehr von 500g unverarbeitetem Fleisch aus artgerechter Tierhaltung ist demnach nichts einzuwenden.

Übergewicht und erhöhtes Bauchfett als Risikofaktoren

Besonders in den letzten Jahren ist die Verbindung zwischen einem erhöhten BMI (> 25 kg/m2) und dem Risiko, an gewissen Krebsarten zu erkranken, immer deutlicher geworden. Auch für den Dickdarmkrebs ist dieser Effekt mittlerweile durch eine große Anzahl an Studien belegt. Es zeigt sich ein Zusammenhang, bei dem das Risiko mit jeder „BMI-Einheit“ (1 kg/m2) um 2 bis 4 Prozent ansteigt. Der negative Einfluss nimmt somit mit steigendem Übergewicht zu. Der Effekt ist bei Männern etwa doppelt so stark ausgeprägt wie bei Frauen [6, 8, 15].

Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass unser Körperfettgewebe und vor allem unser Bauchfett stark stoffwechselaktiv ist. Das Fettgewebe produziert Hormone wie Östrogene und Wachstumsfaktoren, die unsere Körperprozesse beeinflussen und leichte Entzündungen fördern können. Hierdurch wird ein Milieu geschaffen, in dem Tumore leichter entstehen und wachsen können. Aus diesem Grund spielt neben der Menge des Körperfetts auch dessen Verteilung eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Dickdarmkrebs. Lagert sich besonders viel Fettgewebe im Bauchraum an, erhöht sich das Risiko, an dieser Krebsart zu erkranken noch einmal [8].

Alkohol – ein Gläschen schadet nicht?

Es besteht nachweislich ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Alkohol und einem erhöhten Risiko, ein Dickdarmkarzinom zu entwickeln (10 Prozent Anstieg je 10 g Alkohol) [8]. Der „European Code Against Cancer“ der WHO/IARC konstatiert eine Senkung des Darm-Krebs-Risikos um bis zu 31 Prozent, wenn der Alkoholkonsum von mehr als vier Gläsern pro Tag auf maximal ein Glas reduziert wird [16]. Anders als beim Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es bei Darmkrebs keine Dosis, die schützend wirken könnte. Es gilt eine lineare Korrelation, das heißt jeglicher Konsum von Alkohol steigert das Karzinomrisiko. Insbesondere Menschen mit einer geringen Aufnahme an Folsäure (enthalten unter anderem in Hülsenfrüchten oder grünem Blattgemüse) und/oder der Aminosäure Methionin (beispielsweise aus Paranüssen oder Lachs) sollten ihren Alkoholgenuss limitieren. Es gilt hierbei allein die Menge des aufgenommenen Alkohols zu beachten, unabhängig von der Art des alkoholischen Getränks [17]. Der kanzerogene Effekt von Alkohol ist zudem bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen [8].

Doch durch welchen Mechanismus erhöht Alkohol unser Darmkrebs-Risiko?

Zunächst einmal liegt es an den reaktiven Metaboliten des Alkohols selbst, beispielsweise das Acetaldehyd, die kanzerogene Wirkungen entfalten können. Eine weitere Erklärung ist womöglich die Eigenschaft des Alkohols, als Lösungsmittel zu fungieren, wodurch andere Karzinogenen leichter in die Zellen der Darmschleimhaut gelangen können [8].

Die Kombination mit Tabakrauch kann das Krebsrisiko zusätzlich erhöhen. Tabak begünstigt die Entstehung spezifischer Mutationen in unserer DNA, deren Reparatur wiederum durch eine gleichzeitige Zufuhr von Alkohol behindert wird [8].

Zur Debatte steht allerdings, ob sich Personen mit hohem Alkoholkonsum insgesamt schlechter ernähren, weniger essentielle Nährstoffe aufnehmen und daher anfälliger für die Entstehung von Krebserkrankungen sind [8].

Tägliche Bewegung

Tägliche Bewegung tut uns gut und mindert auch nachweislich das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Insgesamt sollten wir darauf achten, zumindest die Empfehlung von 30 Minuten moderater körperlicher Aktivität pro Tag einzuhalten. Hierdurch können Entzündungen im Körper reduziert, der Insulinspiegel gesenkt und das Risiko einer Insulinresistenz vermindert werden. Auf lange Sicht wird moderate körperliche Aktivität zudem dazu führen, dass Körperfett reduziert werden kann und damit ein weiterer Risikofaktor für viele Erkrankungen ausgeschaltet wird [8].

Kurz beleuchtet: Knoblauch, Milch und Calcium

Knoblauch

Die WCRF stuft Knoblauch als „wahrscheinlich schützend vor Dickdarmkrebs“ ein. Studien ergaben eine leichte Verminderung des Risikos, durch den Verzehr von Knoblauch. Tierstudien zeigten eine schützende Wirkung des Knoblauchs vor Tumorbildung und Zellwachstum. Bis heute existiert jedoch kein eindeutiger Beleg für den Menschen [8].

 

Milch

Der Konsum von Milch gilt ebenfalls als „wahrscheinlich schützend vor Dickdarmkrebs“. Die schützende Wirkung schwankt je nach Studie zwischen 7 bis 9 Prozent Risiko-Reduktion. Unklar ist jedoch, ob dieser Effekt nicht zum größten Teil vom Kalzium herrührt (siehe unten) [8].

 

Kalzium

Über die Nahrung aufgenommen ist Kalzium ein wichtiger Mineralstoff für den Menschen. Neben seiner Bedeutung für Knochengesundheit und Muskelkraft beeinflusst er auch viele zelluläre Vorgänge. Unter anderem spielt Kalzium eine wichtige Rolle bei Zellwachstum, Zellteilung und Zelltod bei normalen Zellen, aber auch speziell bei den Tumor-Zellen des Dickdarms. Insgesamt attestieren die Studien in Bezug auf die Entstehung von Dickdarmkrebs eine leicht schützende Wirkung durch die Aufnahme von Kalzium [8].

Fazit

Dickdarmkrebs ist eine Erkrankung, bei der jeder individuell eine Menge tun kann, um sein Erkrankungsrisiko zu senken. Tatsache ist, dass es auch hier auf den allgemeinen „gesunden“ Lebensstil ankommt. Die negativen Auswirkungen von hohem Konsum Fleisch und Fleischwaren konnten beispielsweise in einer Studie abgeschwächt werden, indem die Probanden ihren Konsum an Ballaststoffen steigerten. Auch der gesteigerte Verzehr von Fisch konnte diesen Effekt erzielen [11]. Zusätzlich spielt der Genuss eine zentrale Rolle bei einer gesunden Lebensführung. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch ein Beitrag in unserem Ernährungsblog: Ist Genuss eine Grundvoraussetzung für gesundes Essen?

Mit einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung, die viele Ballaststoffe enthält ist schon einiges gewonnen. Zudem sollte man auf adäquates Körpergewicht mit möglichst wenig Bauchfett und auf tägliche Bewegung achten. Fleisch darf auf dem Speiseplan stehen, sollte aber in moderaten Mengen genossen werden. Aus ethischen und nachhaltigen Aspekten wäre hier Fleisch aus artgerechter Haltung oder Wildfleisch zu bevorzugen. Verarbeitetes Fleisch sowie Alkohol sollten Ausnahmen und nicht die Regel sein. Nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich ist der schützende Effekt von Knoblauch, Milch und Kalzium. Noch unsicherer ist die Datenlage hinsichtlich eines schützenden Effektes bei Gemüse und Obst, der über die positive Wirkung ihres hohen Ballaststoffgehaltes hinausgeht. Auch Nahrungsmittel, die reich an Vitamin D sind, werden oft mit einer protektiven Wirkung in Verbindung gebracht. Hier ist die Datenlage ebenso unzureichend, wie bei der Vermutung, dass Käse, eisenreiche Lebensmittel, tierische Fette oder Zucker die Entstehung von Dickdarmkrebs begünstigen.

Quellen

1. World Cancer Research Fund /American Institute for Cancer Research. Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective. AICR. Washington, DC : s.n., 2007. Erste deutschsprachige Auflage 2007, World Cancer Research Fund International, First Floor, 19 Harley Street, London, UK.

2. Report des World Cancer Research Fund (WCRF). [Online] www.wcrf.org/sites/default/files/german.pdf.

3. Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmhotz-Gemeinschaft. Zahlen und Fakten zu Darmkrebs. [Online] Deutsches Krebsforschungszentrum - Stiftung des öffentlichen Rechts. www.dkfz.de/de/presse/darmkrebs-zahlen-fakten.html.

4. Orlich, MJ; Singh, PN; Sabaté, J. Vegetarian dietary patterns and the risk of colorectal cancers. JAMA Intern Med. 175, May 2015, Vol. 5, pp. 767-76.

5. Steck SE; et al. Index-based dietary patterns and colorectal cancer risk: a systematic review. Adv Nutr. . 13, Nov 2015, Vol. 6, 6, pp. 763-73. Print 2015 Nov..

6. Aleksandrova K; et al. Combined impact of healthy lifestyle factors on colorectal cancer: a large European cohort study. BMC Med. 12, Oct 2014, Vol. 168.

7. Aune, D; et al. Dietary fibre, whole grains, and risk of colorectal cancer: systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMJ. 343, Nov 2011, Vol. d6617, p. 343. doi: 10.1136/bmj.d6617.

8. World Cancer Research Fund / American Institute for Cancer Research. Continuous Update Project Report. Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Colorectal Cancer. 2011.

9. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Evidenzbasierte Leitlinie - Kohlenhydratzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten. Bonn : s.n., 2011. pp. 138 - 164.

10. Bertz, H; Zürcher, G. Ernährung in der Onkologie: Grundlagen und klinische Praxis. Jul. : Schattauer, 2014. Vol. 1. ISBN-10: 3794528042.

11. Norat, T; et al. Meat, Fish, and Colorectal Cancer Risk: The European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Journal of the National Cancer Institute. 15 June 2005, Vol. 97, 12.

12. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. [Online] www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/risikofaktoren.php.

13. International Agency for Research on Cancer. [Online] 240, 26 Oct 2015. www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2015/pdfs/pr240_E.pdf.

14. Sinha, R; et al. Meat, meat cooking methods and preservation, and risk for colorectal adenoma. Cancer Res. 2005, Vol. 65, 17, pp. 8034-41.

15. Anderson, AS; Key, TJ; Norat, T. European Code against Cancer 4th Edition: Obesity, body fatness and cancer. Cancer Epidemiol. Dec. 2015, 39 Suppl 1, pp. 34-45. Epub 2015 Jul 21..

16. Cecchini, M; et al. European Code against Cancer 4th Edition: Alcohol drinking and cancer. Cancer Epidemiol. Dec. 2015, Vol. 39 Suppl 1, pp. 67 - 74. Epub 2015 Jun.

17. Cho, E., et al. Alcohol intake and colorectal cancer: a pooled analysis of 8 cohort studies. Ann Intern Med. 2004, Vol. 140, 8, pp. 603-13.