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Gesunde und schmackhafte Ernährung für Patienten mit Krebs

Angebote des Tumorzentrums München

Das Thema Ernährung ist für Patienten mit Krebs von zentraler Bedeutung. Essen ist lebenserhaltend und elementarer Bestandteil der persönlichen Lebensqualität – frei nach dem Leitspruch von Ludwig Feuerbach: "Der Mensch ist, was er isst".

Jede Phase, die ein Tumorpatient durchlebt, bringt spezielle Herausforderungen mit sich. Das Tumorzentrum München und die Arbeitsgruppe Ernährung und Krebs, bestehend aus Professoren, Ärzten und Ernährungsfachkräften, haben sich genau diesen besonderen Bedürfnissen verschrieben. Als „Wegweiser“ bieten wir Patienten ein umfassendes Angebot rund um eine geeignete und gleichzeitig schmackhafte Ernährung an.

Entdecken Sie die vielfältigen Möglichkeiten: von der individuellen, persönlichen Beratung und einem einfach verständlichen Infoportal bis hin zu vielen leckeren Rezeptideen via App und Blog!

Ernährungsempfehlungen bei Krebs

Im Laufe einer Krebserkrankung und der Behandlung können unterschiedlichste Situationen und Herausforderungen auftreten. Vieles kann sich auf die Ernährung oder das Essverhalten auswirken. Generell sollte eine ausgewogene und vollwertige Ernährung angestrebt werden. Dies ist während der Erkrankung und Therapie nicht immer einfach, da Nebenwirkungen wie Appetitverlust oder Durchfall auftreten können. Hier ist es wichtig die Ernährung an die Bedürfnisse und Situation anzupassen und sich frühzeitig Unterstützung bei ihrem Arzt und einer qualifizierte Ernährungsfachkraft zu holen. Denn ein guter Ernährungszustand unterstützt die Therapie und verbessert die Lebensqualität. Die Ernährung verleiht dem Körper Kraft, Energie und Genussmomente.

Wir helfen Ihnen gern dabei und unterstützen Sie.

Ungewollter Gewichtsverlust und Mangelernährung

Für viele Krebspatienten ist ein ungewollter Gewichtsverlust ein erstes Anzeichen ihrer Tumorerkrankung. Zudem verlieren viele Krebspatienten häufig während der Erkrankung und Therapie an Gewicht. Nicht jede Krebserkrankung hängt zwangsläufig mit einer Gewichtsabnahme zusammen, aber Veränderungen im Geschmacksempfinden, weniger Appetit und weniger Lust auf Essen sind häufig Begleiterscheinungen. Hören Sie daher gut auf diese Frühwarnsignale!

Ein ungewollter Gewichtsverlust kann zu einer Mangelernährung führen und die Prognose verschlechtern. Versuchen Sie deshalb Ihr Körpergewicht stabil zu halten bzw. bei Untergewicht an Gewicht zuzunehmen. Sie brauchen zu jeder Zeit Ihrer Erkrankung ausreichend Energie und wertvolle Nährstoffe, um Ihren Körper zu unterstützen. Ihre persönlichen Vorlieben kombiniert mit den passenden Lebensmitteln stehen dabei im Mittelpunkt. Besonders wichtig ist es hier auch genügend und meist höhere Mengen an Eiweiß zuzuführen.

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Während der Chemo- und/oder Strahlentherapie oder nach Operation

Je nach Therapie und Art des Tumors ist das Risiko für Krebspatienten unterschiedlich hoch, während der Behandlung an Gewicht zu verlieren und in eine Unterversorgung mit Nährstoffen zu gelangen. Besonders häufig ist dies bei Tumoren des Pankreas, Ösophagus, im Kopf-Hals-Bereich sowie der Lunge der Fall. Hingegen ist dies bei Prostata- und Brustkrebs seltener. Auch nach Operationen im Magen-Darm-Bereich ist es wichtig die Ernährung anschließend darauf anzupassen. Häufig weisen Tumorpatienten zudem einen erhöhten Bedarf an Eiweiß auf.

Eine Mangelernährung kann den Behandlungserfolg und die Lebensqualität negativ beeinflusst. Es ist umso besser, je früher begonnen wird dem Gewichtsverlust entgegenzuwirken und ausreichend Nährstoffe zuzuführen. Eine fachkundige Ernährungsberatung bzw. Ernährungstherapie ist unbedingt zu empfehlen. Mit individuellen Empfehlungen und praktischen Tipps ist es ebenso möglich Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Veränderungen im Geschmacksempfinden besser begegnen und diese lindern.

Bei einigen Patienten kommt es während der Therapie dagegen zu einer ungewollten Gewichtszunahme. Auch dieses Szenario sollte so früh wie möglich in der Ernährungsberatung berücksichtigt werden.

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Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen

Im Verlauf einer Krebserkrankung und der Therapie können verschiedene Begleiterscheinungen eintreten. Es kann zeitweise zu Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen oder Kau- und Schluckstörungen, zu Übelkeit und Erbrechen oder auch zu psychosozialen Problemen kommen. Auch wenn man mittlerweile mit Medikamenten dem einen oder anderen Symptom gut gegensteuern kann, ist es oft sinnvoll hier auch die Möglichkeiten einer Ernährungsberatung bzw. Ernährungstherapie zu nutzen. Vieles kann das Essverhalten beeinflussen, wobei sich vor allem ein ungewollter Gewichtsverlust bis hin zur Mangelernährung negativ auf die Therapie und die Prognose auswirken kann. Nehmen Sie daher in solchen Fällen Kontakt zu Ihrem Arzt und einem Ernährungstherapeuten auf, um für diese Herausforderungen die bestmögliche Unterstützung zu bekommen!

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    Ernährung nach erfolgreicher Therapie

    Das Ende der Krebsbehandlung ist für viele ein emotionaler Neubeginn. Im Zentrum steht der Erhalt der Gesundheit und das Anstreben einer hohen Lebensqualität. Dies können Sie unterstützen mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung, hochwertigen Lebensmitteln, mehr Genuss, bewusster Entspannung und weniger Stress. Hier gehört ebenso dazu, ein gesundes Körpergewicht anzustreben bzw. dieses zu stabilisieren.

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    Lebensmittelauswahl für eine gesunde und vollwertige Ernährung

    Ziel unserer Ernährung ist es, unseren Körper mit Energie und allen Nährstoffen zu versorgen, die wir zum Leben brauchen. Für Krebspatienten ist eine ausgewogene und vollwertige Ernährung ganz besonders wichtig, und zwar in zweierlei Hinsicht: zum einen im Krankheitsverlauf und zum anderen präventiv. Während und nach der Therapie gilt es, soweit dies möglich ist, eine bedarfsdeckende Ernährungsweise umzusetzen und beizubehalten. Vor allem während der Erkrankung und Therapie kann es sein, dass hierfür weitere Unterstützung, wie eine individuell für Ihre Situation passende Ernährungsberatung oder auch eine die Ernährung ergänzende Trinknahrung, notwendig sind. Deshalb sollten Sie sich bei Nebenwirkungen wie einem Appetitverlust oder bei ungewollten Veränderungen Ihres Körpergewichts frühzeitig an Ihren Arzt und/oder eine Ernährungsfachkraft wenden.

    Ganz generell sollte sich die Auswahl der Lebensmittel an deren Qualität orientieren und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gefördert werden. Dazu gehört auch die Herkunft. Am besten wissen Sie über diejenigen Lebensmittel Bescheid, die von Landwirten aus Ihrer Region stammen. Verwenden Sie bevorzugt Obst und Getreide aus ökologischem Anbau und Fleisch von Tieren, die artgerecht gehalten und gefüttert werden.

    Tipps zur Auswahl der Lebensmittel

    Keine Frage: Fertig- bzw. sogenannte Convenience-Produkte vereinfachen unser Leben. Und einige davon sind im Hinblick auf die Qualität sehr gut. Viele beinhalten jedoch auch größere Mengen an Fett, Zucker und wenig Ballaststoffe sowie einige Zusatzstoffe.

    Unsere typisch westliche Ernährung ist mit einem erhöhten Krankheitsrisiko verbunden. Gesünder ist beispielsweise die sogenannte mediterrane Ernährung. Generell gilt: Nichts ist besser, als eine abwechslungsreiche Küche mit überwiegend pflanzlichen Lebensmitteln und frischen Zutaten, die so gering wie möglich industriell verarbeitet wurden.

    Die nachfolgende Aufzählung richtet sich vor allem an gesunde Menschen zur Senkung des Risikos eine Krebserkrankung zu entwickeln bzw. daran wieder zu erkranken. Im Gegensatz dazu, kann während der Dauer der Therapie und Erkrankung manches anders sein und sollte individuell angepasst werden. Beispielsweise ist häufig eine erhöhte Eiweißzufuhr empfehlenswert.

    • Essen Sie pro Tag mindestens fünf Portionen (je eine Handvoll) an verschiedenem Gemüse und Obst – dabei sollte der Gemüseanteil größer sein.

    • Essen Sie farbenfroh, abwechslungsreich und am besten saisonal.
    • Wählen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel wie z.B. Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, soweit Sie diese gut vertragen.
    • Nüsse enthalten einen hohen Anteil an gesunden Fetten und sind, wie Hülsenfrüchte auch, eine hervorragende pflanzliche Eiweißquelle. Verzehren Sie Nüsse in Maßen.
    • Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum auf ein bis zweimal pro Woche. Essen Sie möglichst wenig Wurst und verarbeitete Fleischwaren.
    • Fisch wird ein bis zweimal pro Woche empfohlen.
    • Über offener Flamme gegrilltes Fleisch oder Fisch sowie gepökeltes und geräuchertes Fleisch sollten Sie nur gelegentlich essen.
    • Nutzen Sie ungehärtete pflanzliche Öle. Besonders empfehlenswert sind Rapsöl und Olivenöl, aber auch Leinöl (nicht erhitzen!) kann die Ernährung positiv ergänzen.
    • Wenn Sie eher darunter leiden ungewollt an Gewicht zuzunehmen, bevorzugen Sie fettärmere Lebensmittel.
    • Verwenden Sie wenig Salz, am besten Jodsalz, und bevorzugen Sie zum Abschmecken lieber Kräuter und andere Gewürze.
    • Reduzieren Sie Ihren Zucker- und Weißmehlverzehr. Lassen Sie dazu am besten zuckerhaltige Getränke, süße Snacks und gesüßte Frühstückscerealien weg. Auch diese können Übergewicht fördern.
    • Falls Sie Alkohol trinken, trinken Sie nicht täglich und halten Sie die Menge gering.
    • Betrachten Sie die Lebensmittel genau: Essen Sie keine verschimmelte Nahrungsmittel. Meiden Sie Lebensmittel, die bereits angekohlt sind. Hier gilt „vergolden statt verkohlen“.

     

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    Leckere Rezepte für mehr Spaß am Kochen und Genießen

    Auch Krebspatienten dürfen und sollen Spaß am Kochen und Genießen haben! Essen liefert Energie und kann Freude bereiten. Daher ist dem Tumorzentrum München dieser Aspekt besonders wichtig. Mit der anschaulichen und praktischen Koch-App „HealthFood“ unterstützen wir Sie bei der Umsetzung einer situationsgerechten Küche. Beachten Sie, dass dies nicht das Gespräch mit Ihrem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft ersetzten kann.

    Unter dem Motto „Sterne kochen für die Gesundheit“ vereint die App „HealthFood“ Rezepte und Tipps aus der Spitzengastronomie mit Bedürfnissen von Tumorpatienten. Diese überwiegend einfachen und immer schmackhaften Rezepte stammen von den prominenten Sterneköchen Eckart Witzigmann, Hans Haas und Martin Fauster. Ergänzt werden sie von hilfreichen Küchentipps im Video- und Audioformat. Ernährungswissenschaftlerin Veronika Flöter vermittelt wertvolle Informationen zur gesundheitsfördernden Wirkung von Inhaltsstoffen und zu ernährungsspezifischen Problemen.

    Das TZM-Team und die Witzigmann Academy wünschen Ihnen viel Spaß beim Einkaufen und Kochen und einen guten Appetit!

     

    Weitere saisonale Rezepte und wissenswerte Hintergründe zur gesunden Ernährung bei Krebs bereiten wir Ihnen regelmäßig in unserem Ernährungsblog auf. Ernährungswissenschaftlerin Veronika Flöter gibt Expertentipps und steht für Rückfragen gern bereit. Alle Rezepte basieren auf natürlichen Lebensmitteln ohne künstliche Zusatzstoffe.

    Und wenn Sie mit dem Kochen fertig sind: Bitte, nehmen Sie sich Zeit beim Essen! Das sollte Ihre oberste Maxime sein. Kauen Sie langsam und bewusst, so wird die Lust am Genuss neu geweckt. Essen Sie das, was Ihnen guttut. Um nicht ungewollt an Gewicht zuzunehmen, achten Sie bewusst auf Ihr Sättigungsgefühl und nehmen Sie nur die Mengen zu sich, die Sie brauchen. Letztlich geht es darum, dass Sie sich beim Essen wohlfühlen!

     

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    Eine sehr häufig gestellte Frage unserer onkologischen Patienten lautet: „Was kann ich unterstützend zu meiner Chemotherapie machen oder was kann ich tun, damit der Krebs nicht wiederkommt?“

    Viele Betroffene und deren Angehörigen möchten durch eine Umstellung der Ernährung einen Beitrag zu ihrer Therapie leisten. In der Vergangenheit konnten wir den Patienten oft nur eine Broschüre in die Hand drücken oder auf die Literatur für Fachkreise verweisen. Patienten recherchierten dann häufig in den zum Teil sehr fragwürdigen Tiefen des Internetdschungels, der dann nur mehr Verwirrung stiften kann als wirklich hilfreich zu sein.

    Umso mehr waren wir auf das neue Buch „Stark gegen Krebs“ von Prof. Dr. Volkmar Nüssler – dem Koordinator des Tumorzentrums Münchens – gespannt. Dieses führt die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse in einer prägnanten Klarheit und einer soliden Recherche mit einem außerordentlichen Informationsgehalt zusammen.

    In innovativer Form werden im ersten Teil des Buches kompakt und sehr gut recherchiert Fragen aus der täglichen Praxis zu gesunder Kost, aber auch zu Nahrungsergänzungsmitteln, Verwendung von Zucker oder der Auswahl bestimmter Lebensmittel gegen Krebserkrankungen in einer für die Patienten und Angehörigen leicht verständlichen Form beantwortet. Ebenso kommen die Sinnlosigkeit jeglicher Krebsdiäten sowie das Problem der Mangel-und-Unterernährung zur Sprache, welche Ernährungsmedizinern und Ärzten besonders am Herzen liegt. Auf eine sehr anschauliche Art und Weise wird klar, was mit gesunder Ernährung und Esskultur erreicht werden kann – und das nicht nur während der Therapie einer onkologischen Erkrankung sondern auch präventiv!

    In diesem Buch wird jedoch nicht etwa nur trockene Theorie gepredigt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes der Kochlöffel gegen Krebs geschwungen. Unter Mitwirkung renommierter Sterneköche hat der Autor aus den empfohlenen Nahrungsmittels einen breiten Fächer an Rezepten zusammengestellt – so werden Theorie und Praxis miteinander verbunden. Diese sind saisonal in vier Abschnitte – für jede Jahreszeit ein eigenes Kapitel - aufgeteilt, die farblich illustrierten Rezepte machen Lust darauf sie nach zu kochen.

    Für unseren Alltag mit onkologischen Patienten – sei es von ernährungsmedizinischer, ärztlicher oder pflegerischer Seite – wurde uns ein wertvolles Buch an die Hand gegeben, welches wir unseren Patienten uneingeschränkt empfehlen können.

     

    Tanja Jähnig, Ärztin
    Dipl.-Ökotrophologin Marie-Luise Többens
    Prof. Dr. med. Uwe Martens
    Tumorzentrum Heilbronn-Franken
    MOLIT Institut für Personalisierte Medizin

    Der Biochemiker und Wissenschaftsjournalist Jörg Blech landete schon mit „Der Krankheitserfinder“ über das Geschäft mit der Medizin einen Bestseller. Sein aktuelles Werk geht Hand in Hand mit dem Buch des Tumorzentrums München „Stark gegen Krebs“, da es den Verzehr unverarbeiteter, „sauberer“ Lebensmittel propagiert, was ökologisch erzeugte Lebensmittel bzw. Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung beinhaltet. Im Vergleich beschäftigt sich Jörg Blech allerdings wesentlich genauer mit der Thematik des Verarbeitungsgrades: Die Nahrungsmittel, die uns zur Verfügung stehen, entwickeln sich rasant zu industriell gefertigten Produkten, die nur noch wenig mit den angepriesenen, ursprünglichen Zutaten zu tun haben. Der weltweite Trend ist auch in unseren Supermärkten zu beobachten: mitunter sind schon 80 % der Waren verarbeitet oder ultraverarbeitet (Blech hat eine nützliche Einteilung in vier Kategorien erarbeitet), Tendenz steigend.

    Das Problem bei dieser Verzehrsform der Nahrung ist, dass der Wert für die Gesundheit mit jedem Grad der Verarbeitung sinkt. Blechs vier Stufen der Nahrungsmittelverarbeitung gehen von den frischen Grundnahrungsmitteln (Gruppe 1) über die aus frischen Nahrungsmitteln gewonnenen, kulinarisch verarbeiteten Stoffe wie Fette, Öle, Mehle, Speisesalz, Honig etc. (Gruppe 2) zu den mit Zucker, Öl, Salz verarbeiteten frischen Nahrungsmitteln wie konserviertes Obst und Gemüse oder Räucherfisch, Käse, frisch gebackenes Brot und Wein (Gruppe 3). 

    In Gruppe 4 finden wir dann die so genannten „ultraverarbeiteten Nahrungsmittel“, bei denen man nur noch die Packung aufreißen muss: zum Beispiel Kartoffelchips, Müsli-Riegel, abgepackte Backwaren, Frühstücksflocken, Fruchtjoghurt, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Produkte sind sehr kalorienreich, enthalten wenig Ballaststoffe, Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und viel ungesunde Fette, freie Zucker und Salz, zitiert Blech eine Studie aus der renommierten Fachzeitschrift Lancet.

    Der Autor schildert sehr unterhaltsam, wie die an sich durchaus sinnvolle Haltbarmachung 1850 mit der Konservendose begann, dann über die Erfindung der Erbswurst und des Liebig-Fleisch-Extrakts (produziert seit 1865 in Uruguay!), über den Brühwürfel und das Milchpulver die Lebensbedingungen wesentlich verbesserten. Seit den Sechzigerjahren hingegen hat sich die Nahrungsmittelindustrie stark verändert. Das große Geschäft mit ultraverarbeiteten Produkten erwies sich als wesentlich lukrativer als der Handel mit unverarbeiteten Lebensmitteln, die noch dazu Probleme der Haltbarkeit und der Lagerung mit sich brachten.

    Kenntnisreich und zugleich sehr anschaulich erklärt er unter anderem, warum Butter besser ist als Margarine, warum man Orangen essen statt trinken sollte, wie Zucker, Emulgatoren und Brathähnchen die Darmflora ruinieren und zur Entstehung von Demenz und Krebs beitragen können. Als Biochemiker kann er die Vorgänge im Körper bei der Nahrungsaufnahme genau erklären und einleuchtend kommentieren.

    Jörg Blech ist ein großartiger Journalist und ein engagierter Aufklärer. Er vermittelt einleuchtend, warum es viele widersprüchliche Informationen zum Thema Ernährung gibt und warum dieser Bereich extrem umkämpft ist. Zugleich thematisiert er die Widersprüchlichkeit vieler Studien (mal ist Kaffee Gift für die Bauspeicheldrüse, 6 Jahre später wieder ein Schutz vor Darmkrebs, 2005 wird er wieder verdammt). Das Problem der ernährungswissenschaftlichen Studien ist, dass sie auf statistischen Werten beruhen, die keine echte Verbindlichkeit haben. Blech wundert sich, dass angesichts der Schwierigkeit, die einzelnen Ingredienzien zu beurteilen, die Gefahren der industriell verarbeiteten Nahrungsmittel kaum untersucht werden.

    Sein Fazit: Wir sollten uns traditionell ernähren, mit frischen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen. Wichtig sind auch Fisch und Rapsöl. Fernhalten sollte man sich von ultraverarbeiteten Lebensmitteln wie Fastfood, Süßigkeiten und fertigen Backwaren. Des weiteren empfiehlt er Pausen zwischen den Mahlzeiten, möglichst nachts eine längere Pause von 12-16 Stunden, um den Stoffwechsel zu aktivieren. Dadurch würden auch die Widerstandsfähigkeit des Körpers gestärkt, überflüssige Stoffe abgebaut und Entzündungen gemildert.

    Ein sehr anregendes, gut dokumentiertes, glänzend geschriebenes Buch, das auf jeden Fall ein gutes Weihnachtsgeschenk abgibt. Bringt es doch sinnige Beschäftigung für kuschelige Lesestunden auf dem Sofa und garantiert einen hohen Erkenntniswert.

     

    Jörg Blech, Schmeckt´s noch? Die falschen Versprechen der Lebensmittelindustrie und wie wir einfach gesund essen können. Fischer, S. 240, März 2017

    Um Weihnachten 2017 zu einem ganz besonderen Erlebnis zu machen, fehlt Ihnen noch das passende Geschenk? Wir möchten Ihnen heute ein weiteres großartiges Buch vorstellen, das fesselnd und geistreich zugleich ist: „Richtig leben, länger leben. 5 Dinge, die wir tun können, um gesund zu bleiben“ von Prof. Dr. Heinz Ludwig. Der Universitätsprofessor und langjährige Leiter der Onkologie am Wiener Wilhelminenspital, international bekannter und vielfach ausgezeichneter Krebsforscher, hat in diesem leicht verständlichen Sachbuch ein Resümee seiner lebenslangen Arbeit mit Patienten geschrieben.

    Wie die meisten großen Menschen ist er zugleich bescheiden und klar: er schreibt über Begegnungen mit Patienten, die ihn beeindruckt haben, über Entscheidungen von Patienten, die ihn überrascht und überzeugt haben, und steht immer im Dialog mit ihnen, nie über ihnen. Doch bei aller Sensibilität und emotionaler Anteilnahme am Schicksal seiner Patienten bleibt Ludwig immer auch Wissenschaftler und hat für alle seine Thesen handfeste Beweise in Form von Studien und naturwissenschaftlichen Erklärungen parat.

    Im Buch fasst er die Ergebnisse seiner Erfahrungen und Studien unter fünf Überschriften zusammen, die alle mit ´L` beginnen:

    Lieben                 Lachen                 Lernen                 Laufen                 Leichter essen.

     

    Lieben“ steht bei ihm für soziale Kontakte, familiäre Bande, auch die Liebe zu einer Tätigkeit, ein Hobby oder eine Leidenschaft. Er erzählt von einer Gemeinschaft italienischer Auswanderer in den USA, Roseto, die dort noch zwei Generationen lang ihre Bindungen pflegten und in jener Zeit trotz Ernährungssünden außergewöhnlich gesund und langlebig waren. Als sie sich schließlich den amerikanischen Sitten angepasst hatten und die Gemeinschaft auseinandergebrochen war, entsprach ihre Gesundheit dem allgemeinen amerikanischen Standard.

    Ludwig geht auf den statistischen Wert von festen Beziehungen für die Gesundheit und auf die Bedeutung familiärer Versöhnung im Verlauf von Krebserkrankungen ein. Er thematisiert außerdem, wie wichtig die Vermittlung der Diagnose für die Psyche der Patienten und ihrer Angehörigen ist.

     

    Lachen“ symbolisiert im Buch die Lebenseinstellung im Allgemeinen, die Fähigkeit, sein Schicksal anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Eine positive Grundhaltung, wohlwollende Mitmenschen und Ermutigung sind wesentliche Faktoren für die Gesundheit.

    Lachen hat nachweislich positive Auswirkungen auf den Körper, vermutlich weil es den Stress bekämpft, der die schützende innere Zellschicht in den Blutgefäßen schädigt und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen kann. Wir atmen tiefer, wenn wir lachen, was für mehr Sauerstoff und bessere Durchlüftung der Bronchien sorgt. Beim Lachen werden über hundert Muskeln betätigt und das Herz-Kreislaufsystem angeregt.

    Diese positive Lebenseinstellung darf man nicht mit dem gleichsetzen, was Ludwig „das unheilvolle Dogma des positiven Denkens“ nennt: der naive und unverantwortliche Gedanke, Krebs ließe sich durch „positiv denken“ heilen, führt zu großen Frustrationen und Schuldgefühlen bei den Patienten. Wichtig sind für Ludwig hingegen das Gefühl der Dankbarkeit, die Konzentration auf Angenehmes und die Wertschätzung von konkreten Dingen.

    Dabei zitiert er die Ratschläge, die Menschen am Ende ihres Lebens ihren Mitmenschen geben würden (hier verkürzt):

    1.) Tu, was du gerne tust

    2.) Erlaube dir selbst, der zu sein, der du bist

    3.) Widme deinen Freunden mehr Zeit

    4.) Unterscheide besser zwischen Arbeit und Freizeit und gib letzterer mehr Raum.

    Unter  dem Begriff „Lernen“ fasst er all das zusammen, was unsere geistigen Fähigkeiten trainiert, wobei Ludwig Studien anführt, die belegen, dass Gesundheit und Langlebigkeit mit steigender Bildung wachsen. Zum Thema Lernen gehört für ihn auch das Lernen über sich selbst, was alle Themenbereiche einschließt, die uns unmittelbar betreffen: Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Kultur, Tiere und Pflanzen. Solange wir uns diesen Themen widmen, bleiben wir gesund – so sein Fazit.

    Besser informiert sein und Fragen stellen, hilft auch ganz banal bei der Erhaltung unserer Gesundheit: Ein Patient, der sich selbst kundig macht, wird dem Arzt bessere Fragen stellen, mehrere Meinungen einholen, ihm werden unter Umständen neue, noch in der Forschungsphase befindliche Therapien vorgeschlagen und er wird von der Behandlung mehr profitieren, weil er die Zusammenhänge besser versteht und die Therapie unter Umständen geschickter ausführt. Hier spricht ein Praktiker, der weiß, dass Ärzte nicht allwissende und unfehlbare Übermenschen sind, sondern dass auch sie von der Interaktion mit dem Patienten profitieren.

    Laufen“ steht für jede Art von Bewegung. Unumstritten ist mittlerweile die Erkenntnis, dass regelmäßige Bewegung (mindestens dreimal die Woche für eine halbe Stunde) das Leben nicht nur qualitativ verbessert, sondern auch verlängert. Übergewicht „führt zur vermehrten Ausschüttung verschiedener Botenstoffen, die das Wachstum bestimmter Zellen steigern, was wiederum das Krebsrisiko erhöht“. Bewegung reduziert nicht nur das Übergewicht, sondern stimuliert auch die Abwehrkräfte, senkt den Blutzuckerspiegel, verbessert unser Gedächtnis, steigert wahrscheinlich sogar die Fähigkeit des Körpers, Defekte in der Erbsubstanz zu reparieren, und und und …

     

    Der letzte große Abschnitt gilt dem Thema „Leichter essen„. Hier geht Ludwig vor allem auf die psychischen Hindernisse für eine gesunde Ernährung ein, unsere inneren Widerstände. Denn was gesundes Essen heißt, ist mittlerweile fast jedem bekannt:

    weniger Fleisch, industriell verarbeitete raffinierte Lebensmittel und Fertigkost, Zucker, künstliche Süßstoffe, große Mengen an Milchprodukten,

    dafür mehr Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse, Kräuter und Gewürze.

    Mit einem Plädoyer für „gesunden Realismus“ findet Ludwig einleuchtende Argumente für ein Umdenken in der Ernährung, beim Teil über Krebsfördernde Lebensmittel wird er konkret: ungenügend gegartes Fleisch, stark und mehrmals erhitztes Speiseöl, Nitrat-haltiges Trinkwasser, Nitrosamine (können in Bier, Fisch, Käse und gepökelter Wurst vorkommen). Doch auch er weist darauf hin, dass hier immer wieder einander widersprechende Thesen aufkommen und dass man beim jetzigen Stand der Wissenschaft nur dazu raten kann, sich möglichst abwechslungsreich und mit möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln zu ernähren. In den Bereichen Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum ist jedoch eindeutig erwiesen, dass beides schädlich ist.

    Abschließend kann man dieses Buch jedem Leser empfehlen, der mehr über den aktuellen Stand der medizinischen Forschung und einem gesunden Lebensstil wissen will. Vor allem ist aber für all jene geeignet, die an der gegenseitigen Beziehung zwischen Arzt und Patient interessiert sind. Selten habe ich einen Arzt so offen über seine Erfahrungen sprechen hören, mit so viel Respekt für die Patienten und so viel Interesse an den Lösungen, die diese finden. Allein das macht dieses erkenntnisreiche Buch schon zu einer beeindruckenden Lektüre. Der menschliche Faktor macht einfach den Unterschied!


    Heinz Ludwig, Richtig leben, länger leben. 5 Dinge, die wir tun können, um gesund zu bleiben. Editon a, Wien 2017, 252 S.

    Nicht vorenthalten wollen wir Ihnen die Publikation von Professor Nüssler, dem Leiter des Tumorzentrums München. Seit vielen Jahren engagiert sich der Onkologe für eine weiterreichende Betreuung von Krebspatienten, hat soziale Beratungsstellen eingerichtet, eine Ernährungsberatung für Patienten ins  Leben gerufen und eine App geschaffen, für die Sterneköche ihre besten Rezepte zum Nachkochen verraten.

    In seinem neuesten Werk "Stark gegen Krebs - Wie Sie mit der richtigen Ernährung vorbeugen, die Heilung unterstützen und neue Kraft schöpfen" fasst er seine Erkenntnisse zusammen und ermuntert zur sofortigen Anwendung der "Theorie" (Teil 1) mit Hilfe der Rezepte (Teil 2).

    Dabei ist die Theorie keineswegs grau, sondern eine sehr konkrete Anleitung, wie man sich nach dem neuesten Stand der Wissenschaft richtig und vernünftig ernähren sollte - mit besonderer Rücksicht auf bestehende Therapien. Aus medizinischer Sicht und aufgrund jahrelanger Erfahrung erfolgt eine Einschätzung von Superfoods, Nahrungsergänzungsmitteln, speziellen Krebstherapien oder der Wirkung einzelner Lebensmittelgruppen, wobei es Professor Nüssler immer wichtig ist, auf ein ökologisch und ethisch vertretbares Gesamtbild hinzuweisen.

    Unterstützt wird er darin von Carlo Petrini und Otto Geisel, dem Gründer und langjährigen deutschen Vorstand von Slow-Food, sowie von dem "Jahrhundert-Koch" Eckart Witzigmann. Sie alle sind wie Nüssler überzeugt, dass das Selber-Kochen und der bewusste Umgang mit natürlichen, saisonalen Lebensmitteln die Basis einer gesunden Ernährung bilden.

    Und so folgen auch die Rezepte, die von den besten Köchen Deutschlands beigesteuert wurden, dem Rhythmus der Jahreszeiten und werden in einfachen Schritten so erklärt, dass sie ohne weiteres nachgekocht werden können. Es sind feine Rezepte mit vorwiegend einheimischen Zutaten, die jedoch immer den besonderen Touch haben und dadurch eine besondere Note bekommen, wie etwa Minzrisotto mit Kabeljau (Rezept Herbert Hintner) oder Estragon-Huhn mit Tomaten (Rezept Eckart Witzigmann). Viele Fotos, Zutatenlisten, Infokästen und ein sehr gutes Register erleichtern die Suche.

    Für Prof. Nüssler bilden Genuss und Gesundheit eine Einheit, und mit diesem Band werden Theorie und Praxis auf ideale Art verbunden.

    Ein wunderbares Geschenk, das man sich auch getrost selber machen kann. Von den Gerichten werden dann alle Angehörigen, Partner und Freunde profitieren!