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Bewegung und Krebs

Bewegung und körperliche Aktivität können Patienten während und nach einer Krebsbehandlung in vielfältiger Art und Weisen unterstützen.
In akuten Behandlungsphasen geht es vorrangig um den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit. Durch lange Klinikaufenthalte und einen vollen Behandlungsplan entstehen oft lange Sitz- und Liegezeiten. Zusätzlich zu der körperlichen und psychischen Belastung entsteht somit bei vielen onkologischen Patienten eine Phase der Inaktivität.

Durch gezielte Bewegungsmaßnahmen kann jedoch der Abbau der physischen Leistungsfähigkeit vermindert werden oder diese sogar erhalten bleiben. Dadurch fühlt man sich weniger schlapp, leistungsfähiger und hat die Möglichkeit, aktiv an ihrem Wohlbefinden zu arbeiten und den Alltag kraftvoller zu meistern. Auch Faktoren wie die Steigerung der Lebensqualität oder der wichtige Austausch mit anderen Betroffenen spielen hier eine große Rolle.

In der Rehabilitationsphase geht es um die Wiederherstellung bzw. den Aufbau der körperlichen Form. Neben einem ganzheitlichen Trainingsprogramm steht hier auch das Management von therapiebedingten Nebenwirkungen im Vordergrund. Dazu gehören beispielsweise die Reduktion von Bewegungseinschränkungen durch Narben oder auch die Behandlungen von Lymphomen. Das Ziel sollte immer sein, den Körper gleichmäßig zu trainieren, aber eine Überbelastung zu vermeiden.

Auch eine Minderung von Symptomen der tumorbedingten Fatigue, einem Müdigkeits- und Erschöpfungssyndrom, kann durch körperliche Aktivität unterstützt werden. Laut Aussagen der Deutschen Fatigue Gesellschaft e.V. sind ca. 80% aller Krebspatienten von dieser Art von Fatigue betroffen, die Hälfte der Patienten leidet auch noch Jahre nach der Krebstherapie unter den Symptomen. Wissenschaftliche Daten von 1.461 Probanden belegen, dass durch moderaten Ausdauersport die tumorbedingte Erschöpfung bei Krebspatienten gemindert wird (Cramp & Byron-Daniel, 2012). Diese Ergebnisse konnten bisher bei Brustkrebspatientinnen und bei Männern mit Prostatakrebs nachgewiesen werden (welche aufgrund ihrer Häufigkeit Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen sind). Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass es sich hierbei um eine supportive, d.h. unterstützende, Maßnahme handelt.

Weitere Möglichkeiten zum Management von Nebenwirkungen bieten gezielte Maßnahmen bei Patienten mit Polyneuropathie. Diese kann nach einer Chemotherapie unter Verwendung von platinhaltigen Chemotherapeutika entstehen und äußert sich in Sensibilitätsstörungen von Händen und/oder Füßen und Einschränkungen der Feinmotorik. Durch gezielte und regelmäßige Übungen ist es möglich, eine Besserung dieser Symptome zu erzielen.

Noch vor einigen Jahren überwog die Empfehlung der Ärzte, sich bei einer Krebsbehandlung unbedingt zu schonen, da der Körper durch die Therapie bereits sehr beansprucht sei. Heute weiß man um die vielen positiven Effekte von Bewegung und körperlicher Aktivität. Negative Auswirkungen konnten in keiner wissenschaftlichen Studie belegt.

Sport macht also nicht nur Spaß, sondern ist auch noch dazu gesund. Höchste Zeit, sich zu informieren!

Kooperation

Das Tumorzentrum München kooperiert an dieser Stelle eng mit dem Zentrum für Prävention und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar unter der Leitung von Herrn Univ. Prof. Dr. med. Martin Halle. Gemeinsames Ziel ist es, dem Thema "Bewegung bei Tumorerkrankungen" eine neue zentrale Plattform für den Großraum München und Umgebung zu geben, praktische Informationen für Tumorpatienten übersichtlich und verständlich zu bündeln sowie wissenschaftlich fundierte Informationen zur Thematik bereitzustellen.